Gletscherlagune Jökulsárlón

Isländische Ortsnamen entziffern

Auf der Islandreise oder mit dem Finger auf der Landkarte: Das Entschlüsseln von Namen isländischer Städte und Ortschaften sowie von Landschaftsmarken bereitet große Freude. Dabei ist man mit verhältnismäßig wenigen Vokabeln sogar schon recht erfolgreich. Hinter vielen Bezeichnungen stecken noch heute nachvollziehbare Gründe. Es fällt auf, dass sich so gut wie jeder Name in irgendeiner Form auf Wasser bezieht.

Fjorde und Buchten

Die überragende Mehrzahl der Isländer lebt an der Küste. Knapp zwei Drittel der isländischen Gesamtbevölkerung wohnt sogar im Großraum der Hauptstadt Reykjavík. Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele Städte nach einem Fjord, einem Meeresarm, oder einer Bucht benannt sind.

Das isländische Wort für „Bucht“ ist vík. Auch der Name der Hauptstadt bezieht sich also auf eine Bucht. Im Fall von Reykjavík ist es die „Rauchbucht“. Vermutlich war es aber kein Rauch, der die Siedler zu dieser Namensgebung verleitete. Stattdessen wird vermutet, dass es Dampf von den heißen Quellen in der Umgebung war.

Vík í Mýrdal ist ein anderer bekannter Ort, der an einer Bucht gelegen ist. Bei dieser Bucht handelt es sich um die „Bucht im Sumpftal“ – dalur heißt „Tal“. Der südlichste Ort auf dem isländischen Festland ist bekannt für seinen schwarzen Strand.

Viele Ortschaften sind auch nach den Fjorden benannt, an deren Ufern sie liegen. Fjorde sind enge Meeresarme, die einst von Gletschern in die Landschaft genagt wurden. Das isländische Wort für „Fjord“ ist fjörður.

Bemerkenswert ist, dass die Stadt Ísafjörður gar nicht am Ísafjörður, sondern am Skutulsfjörður liegt. Rund 40 km südöstlich befindet sich der eigentliche Ísafjörður, der „Eisfjord“. Übrigens: Ísafjörður liegt in der Region Vestfirðir, den Westfjorden. Analog dazu handelt es sich bei den Austfirðir um die Ostfjorde.

Die Stadt Akureyri im Norden Islands liegt am Eyjafjörður, dem „Inselfjord“ – benannt nach der Insel Hrísey im Fjord.

Heiße Quellen und Eis

Von den heißen Quellen, die Reykjavík ihren Namen gaben, zeugt auch der Name der Haupteinkaufsstraße in der Innenstadt der Hauptstadt: Zusammengesetzt aus den Worten laug für „heiße Quelle“ und vegur für „Weg“ bedeutet Laugavegur so viel wie „Weg der heißen Quellen“. Wenn man sich vorstellt, dass über den Laugavegur früher die schmutzige Wäsche zum Waschen in den besagten Quellen getragen wurde, kann der Name auch als „Waschweg“ interpretiert werden.

Ebenfalls Laugavegur heißt ein bekannter Trekkingweg, der im Geothermalgebiet Landmannalaugar beginnt – den „warmen Quellen der Leute von Landsveit“.

Laug steckt auch im Wort für „Schwimmbad“: Sundlaug bezeichnet also eigentlich eine heiße Quelle, in der man schwimmen kann.

Ein weiterer Begriff, der einem auf isländischen Landkarten häufig ins Auge sticht ist jökull, das Wort für „Gletscher“. Im sumpfigen Tal bei Vík í Mýrdal beispielsweise liegt der Mýrdalsjökull. Weiter östlich liegt Islands größter Gletscher: der Vatnajökull oder übersetzt „Wassergletscher“. Vatn heißt nämlich „Wasser,“ kann aber auch für einen „See“ stehen: Etwa 100 km nördlich des großen Gletschers findet sich der See Mývatn, der „Mückensee“.

An der Südküste kalbt der Vatnajökull in einen beeindruckenden Gletschersee mit dem Namen Jökulsárlón. Dabei steht á für „Fluss“ und lón für „Lagune“. Der See heißt somit „Gletscherflusslagune“. Die „Blaue Lagune“, das beliebte Thermalfreibad in der Nähe des internationalen Flughafens Keflavík, heißt in der Landessprache Bláa Lónið.

Kennt man nun noch die Übersetzung von fjall, nämlich „Berg“, hat man auch alle Wörter beisammen, um Eyjafjallajökull zu entziffern. Der „unaussprechliche“ Vulkan legte 2010 mit seiner Eruption den europäischen Luftverkehr lahm. Wonach ist der Vulkan benannt?

  1. eyja beudetet „Insel“,
  2. fjalla steht für „Berg“ und
  3. jökull ist das isländische Wort für „Gletscher“.

Der Name des Vulkans bezieht sich also in Wahrheit auf den darüber liegenden Gletscher: den „Inselberg-Gletscher“.

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